Die Anfänge: Von Sunburst zu den ersten Sonderfarben

The Early Years: From Sunburst to Custom Colour Beginnings

Ein sonnenstrahlartiger Anfang

Als Leo Fender 1950 die Broadcaster (die bald darauf in Telecaster umbenannt wurde) vorstellte, war sie in einem praktischen, transparenten Blondton lackiert. Das war nicht nur eine ästhetische Entscheidung – es passte einfach perfekt zu den Eschekorpussen, die Fender damals verwendete. Mit der Einführung der Stratocaster im Jahr 1954 begann Fender, die zweifarbige Sunburst-Lackierung als Standard anzubieten, und dieser Look wurde schnell ikonisch.


Doch schon früh deutete sich an, dass Leo Fender und sein Team ambitioniertere Pläne für die Lackierung hatten. Gerüchte und seltene Beispiele von individuell lackierten Gitarren – meist für Künstler oder Händler gefertigt – tauchten in den 50er-Jahren auf, oft mit Autolack von DuPont Duco. Dies waren jedoch Ausnahmen, nicht die Regel.


Der erste Blick auf Farbe: Ende der 1950er Jahre

Ende der 1950er-Jahre wurde Fender auf die in Kalifornien aufkommende Autokultur aufmerksam. Surfbretter wurden mit Airbrush verziert, Hot Rods rasten die Küste entlang, und E-Gitarren fanden ihren Platz in dieser visuellen und musikalischen Revolution. Laut George Fullerton, einem der ersten Mitarbeiter von Fender, wurde eine rote Lackprobe, die er Ende der 50er-Jahre in einem örtlichen Lackierbetrieb anrührte, schließlich zu Fiesta Red , einer der bekanntesten Sonderfarben von Fender.

1956 vermerkte Fender in seinem Katalog beiläufig, dass Gitarren gegen einen Aufpreis von 5 % in „DuPont Duco-Farben nach Wahl des Spielers“ bestellt werden konnten. Es war die erste offizielle Erwähnung von Sonderfarben – und ein Hinweis darauf, wohin die Reise gehen würde.


1960: Die individuelle Farbkarte wird geboren

1960 markierte einen wichtigen Meilenstein: Fender veröffentlichte seine erste offizielle Custom Colour Chart (Farbtabelle für Sonderanfertigungen) mit 14 Lackfarben auf DuPont-Basis als optionale Oberflächen für verschiedene Modelle, darunter Stratocaster, Jazzmaster und Precision Bass. Die Tabelle enthielt:

  • Fiesta Rot

  • Sonic Blue

  • Daphne Blau

  • Lake Placid Blue Metallic

  • Sherwood Green Metallic

  • Inka-Silber-Metallic

  • Shoreline Gold

  • Olympisches Weiß

  • Schwarz

  • Burgunderrot-Metallic

  • Schaumgrün

  • Surf Green

  • Dakota Red

  • Muschelrosa

Diese Farbtöne wurden alle direkt zeitgenössischen Autolackcodes entnommen – oft von Cadillac, Buick oder Chevrolet – und mit Nitrozelluloselack aufgesprüht.


Warum Farben wichtig waren

Auf den ersten Blick mag die Initiative für individuelle Farben wie ein reiner Grafik-Gag gewirkt haben, doch sie hatte eine tiefere Bedeutung. Fender richtete seine Instrumente auf die Ästhetik einer ganzen Generation aus: leuchtende Farben, markante Linien und ein Gefühl von Dynamik. Die Gitarren waren nicht einfach nur Instrumente – sie waren Teil der Kultur.

Individuelle Farben boten Künstlern die Möglichkeit, sich von der Masse abzuheben, und viele tourende Musiker bestellten Gitarren in auffälligen Farbtönen. Dies trug dazu bei, Fender von seinen Mitbewerbern zu differenzieren und schuf eine Designidentität, die bis heute prägend ist.


Expansion und Evolution Mitte der 1960er Jahre

1963 wurde die Farbpalette überarbeitet: Shell Pink wurde aus dem Sortiment genommen, während Candy Apple Red neu hinzukam und zu einer der gefragtesten Lackierungen des Jahrzehnts wurde. 1965 kamen weitere Metallic-Farben hinzu.

Zu diesem Zeitpunkt begann Fender auch, bei einigen Custom-Color-Modellen, insbesondere bei Jaguars und Jazzmasters, farblich passende Kopfplatten anzubieten. Obwohl dieses Detail subtil ist, wurde es bei Sammlern sehr begehrt und wird auch heute noch bei Custom-Shop-Modellen verwendet.

Man sollte jedoch bedenken, dass diese Gitarren stets nur einen kleinen Teil der Gesamtproduktion ausmachten. Die überwiegende Mehrheit der Fender-Gitarren aus den 1950er und frühen 1960er Jahren verließ das Werk in Fullerton in den Lackierungen Sunburst, Blonde oder Natural. Sonderfarben blieben eine Nischenware, die jedoch als begehrtes Upgrade galt.


Seltenheit, Sammlerwert und Vermächtnis

Heute zählen originale Fender-Gitarren in Sonderfarben aus den 1950er- und 60er-Jahren zu den begehrtesten E-Gitarren überhaupt. Da nur wenige bestellt wurden und viele später abgeschliffen oder neu lackiert wurden, erzielen erhaltene Exemplare im Originalzustand astronomische Preise.

Bestimmte Farben – wie Shell Pink , Burgundy Mist und Foam Green – sind extrem selten. Und da Fender aus Zeitgründen oft Sonderlackierungen über die Sunburst-Standardlackierung sprühte, ist die Überprüfung auf Originallackierung (im Gegensatz zu einer späteren Überlackierung oder Neulackierung) zu einem wesentlichen Bestandteil der Vintage-Authentifizierung geworden.

Abgesehen von ihrer Seltenheit prägen diese Gitarren bis heute die Ästhetik moderner Gitarren. Fenders Custom Shop fertigt viele dieser Farbtöne noch immer originalgetreu nach, oft mit zeitgenössischen, farblich passenden Kopfplatten und gealterten Lackierungen.


Schlussgedanken: Eine gemalte Revolution

Fenders Sonderfarben waren mehr als nur eine Frage der Optik. Sie signalisierten einen umfassenderen Wandel: Gitarren waren nicht länger bloße Werkzeuge, sondern Ausdrucksformen von Stil, Rebellion und Identität. Die DuPont-Farbcodes stammten zwar ursprünglich von Cadillacs und Buicks, doch auf einer Stratocaster oder Jazzmaster angewendet, prägten sie eine ganze Generation.

Bei Fat Bottom Guitars feiern wir dieses Erbe jedes Mal, wenn wir eine Vintage Fiesta Red Telecaster, eine abgenutzte Sonic Blue Jazzmaster oder eine Reissue Stratocaster entdecken, die den Charme der Mitte des 20. Jahrhunderts perfekt einfängt. Diese Farben erzählen eine Geschichte – und wie jeder gute Ton werden sie mit der Zeit nur noch besser.